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Garten-Projekt mit Senioren: Hinweise und Tipps

Ein gemeinsames Gartenprojekt verbindet vielfältige Vorteile:
– Die SeniorInnen bewegen sich an der frischen Luft und erweitern ihren Spielraum. Auch Personen, die zuvor noch über Einschränkungen und Schmerzen klagten, sind begeistert und zielstrebig dabei
– Umwelteinflüsse wie Temperatur, Wind, Sonneneinstrahlung, Wahrnehmung des Untergrund usw. regen den Organismus ganzheitlich an
– Erinnerungen an den eigenen Garten und Zeiten als Familie werden wieder wach und heben die Laune
– Kompetenzen und Erfahrungen aus dem eigenen Garten früher lassen sich abrufen und erfolgreich einsetzen
– Insekten und kleine Tiere wie Regenwürmer, Tausenfüßer, Marienkäfer lassen sich beobachten und berühren, in der Nähe bauen Singvögel ihr Nest: Die Tierwelt wird ganz von allein erlebbar
– Das Ergebnis des eigenen Tuns fördert die Selbstwirksamkeit: „Ich habe heute etwas geschafft!“
– Es macht stolz, sich aktiv für einen Bienengarten, ein Kräuterbeet, eine Rabatte mit alten Rosensorten zu engagieren und darüber mit anderen ins Gespräch zu kommen

Selbstverständlich erhalten die SeniorInnen bei der Gartenarbeit Unterstützung durch Stühle zum Ausruhen, Getränke, ein Sonnensegel bei Hitze oder einen Unterstand bei Regen.

Bei der Auswahl passender Pflanzen sind grundlegende gärtnerische Überlegungen gefragt:
– Mehrjährige Stauden sind einjährigen deutlich vorzuziehen, weil sie einmalig gepflanzt werden und im folgenden Jahr wiederkommen, was die Arbeit deutlich verringert. Einjährige Pflanzen, sie sich selbst aussäen, können mehrjährige ergänzen.
– Ist der Standort schattig und feucht, sonnig und trocken, halbschattig, sandig oder lehmig? Jede Pflanze sollte passend zur Umgebung ausgesucht werden, um einerseits gut wachsen zu können und andererseits den Pflegeaufwand gering zu halten (der nämlich im Zweifelsfall bei der sozialen Betreuung hängen bleibt…). Dabei sind einheimische Pflanzen vorzuziehen: Sie sind den klimatischen Bedingungen angepasst und bei den SeniorInnen bekannt, beispielsweise typische Stauden aus einem Bauerngarten.
– Hat die Pflanze mehrere nützliche Eigenschaften? Ist sie für Bienen und Falter attraktiv? Lassen  sich die Blätter in der Küche verwenden, beispielsweise im Salat oder Tee? Trägt sie zusätzlich essbare Früchte?
– Um Tieren Nahrung zu bieten, sollten die Blüten ungefüllt sein und Verblühtes über Herbst und Winter stehen gelassen werden, da Vögel Samen aus den Blütenständen picken und Insekten in den Stängeln überwintern

Selbst mit fitten SeniorInnen ist ein Gartenprojekt betreuungsintensiv:
Der Boden muss vorbereitet werden, Gras und Unkraut werden entfernt. Manche Männer lassen sich gerne für grobe Arbeiten mit dem Spaten einsetzen, oder die Betreuung gräbt den Boden um und lässt die Unkräuter von den SeniorInnen aus dem Boden ziehen (wer sich nicht bücken kann, nimmt hier eine kleine Harke zuhilfe). Im Vordergrund des Beete können die Damen und Herren relativ eigenständig Löcher graben und Stauden einsetzen, weiter hinten gräbt die Betreuung größere Löcher für höher wachsende Stauden. Hier können die SeniorInnen helfen, indem sie die Pflanzen aus den Töpfen lösen und nach hinten ins Beet reichen und die kleinen Plastikschildchen vom Topf ziehen, um sie neben den Stauden in der Erde zu platzieren.
Anschließend werden die Pflanzen angegossen, große Gießkannen werden dabei nur zur Hälfte gefüllt und können mit dem Rollator vom Wasserhahn an der Hausmauer zum Beet transportiert werden. Oder die Betreuungskraft füllt und trägt die Gießkannen.
Es lohnt sich, nur kleine Grüppchen von maximal vier Personen gleichzeitig im Garten einzusetzen, da alle erwarten, persönlich betreut zu werden. Selbst eigenständige SeniorInnen benötigen plötzlich doch ein anderes Werkzeug, stellen Fragen, wünschen sich Bestätigung bei ihrem Tun, brauchen Hilfe mit schweren Gießkannen usw. So habe ich die Erfahrung gemacht, dass kleine Gruppen in 90 Minuten (inklusive Vorstellung der Arbeiten heute, Austeilen des Materials, Aufräumen am Ende) einerseits viel schaffen und andererseits als Nachmittagsaktivität völlig ausreichen.
Damit die SeniorInnen sich mit „ihrem“ Beet identifizieren und Verantwortung beim Gießen oder Schnecken sammeln übernehmen, sollten sie mehrfach an der selben Stelle aktiv werden. Andere Kleingruppen können sich fest um andere Bereichen kümmern, so kommt es zu keinen Unstimmigkeiten untereinander.

Ebenso ist es möglich, auf dem Balkon einen Topfgarten anzulegen, bestehend aus Balkonkästen für Blühpflanzen und Kräuter, Kübeln für Beerensträucher und Hochbeeten für Gemüse. Dabei lassen sich Töpfe und Kästen gut auf dem Tisch platzieren und befüllen, was besonders für Personen aus der stationären Pflege manchmal die einzige Möglichkeit ist, noch gärtnerisch aktiv zu sein.

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